Das sogenannte Ölziehen, das gelegentlich auch als Ölziehkur bezeichnet wird, stammt ursprünglich aus der ayurvedischen Lehre und wird schon seit vielen Jahrhunderten angewendet. In Indien wird der Vorgang als Gandusha bezeichnet und ist ein Teil der ayurvedischen Tagesroutine Dinacharya.

Frau macht Ölziehen und spült mit einer Ölkur aus Kokosöl
In wenigen Schritten kannst Du mit Ölziehen Deinem Körper etwas Gutes tun.

Erst in den letzten Jahren wurde es auch in den westlichen Ländern populär. Das morgendliche Ölziehen bietet eine lange Reihe von Vorteilen und kann genau wie das tägliche Zähneputzen problemlos in den Alltag integriert werden.

Alles was man benötigt sind täglich einige Minuten Zeit und ein kaltgepresstes Pflanzenöl.

Was bedeutet Ölziehen?

Unter Ölziehen versteht man das Spülen des Mundraums mit einem Pflanzenöl. Hierbei wird das Öl im Mund erwärmt und durch die Zahnzwischenräume gezogen. Aufgrund des ayurvedischen Hintergrunds wird in diesem Zusammenhang häufig von einer effektiven Methode für die tägliche Entgiftung des Körpers beziehungsweise dem Ausleiten von Giftstoffen gesprochen.

Auch wenn man bei Entgiftung die Augen rollt: Ölziehen wirkt sich unter anderem sehr gut auf die Zahn- und Mundgesundheit aus, kann Mundgeruch bekämpfen und Zahnfleischbluten stoppen. Zudem sollen lockere Zähne durch eine Ölziehkur gefestigt werden. Daneben werden auch Kariesbakterien bekämpft und die Zähne, die durch Nikotin, Kaffee oder Tee verfärbt sind, werden wieder aufgehellt.

Sogenannte Ölkuren werden sogar von einigen Zahnärzten begrüßt, die schulmedizinisch arbeiten. Denn sie können diverse vorbeugende Effekte haben. Zudem sollen durch das Vermischen von Speichel und Öl Bakterien (zum Beispiel das für Zahnkaries verantwortliche Streptococcus mutans) gebunden werden.

Welches Öl eignet sich für das Ölziehen?
Es gibt verschiedene Öle, die sich für das Ölziehen eignen. Wichtig ist, dass es sich um ein kaltgepresstes Öl handelt. Im Idealfall stammt es aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA).

Ganz klassisch wird im Ayurveda Sesamöl genutzt, das in Deutschland überwiegend kulinarisch verwendet wird. Allerdings kommt das Öl nicht primär wegen des guten Geschmacks zum Einsatz, sondern weil es eine antibakterielle, antivirale und fungizide (pilztötende) Wirkung hat.

Diese Öle werden vorwiegend zum Ölziehen genutzt:

  • Sonnenblumenöl
  • Kokosöl
  • Weizenkeimöl
  • Olivenöl
  • Sesamöl
  • Leinöl

Sonnenblumenöl, Kokosöl, Weizenkeimöl, Olivenöl und Leinöl werden von den Anwendern geschätzt – denn häufig ist eines davon bereits im Haushalt vorhanden. Schwarzkümmelöl wird in diesem Zusammenhang auch häufig erwähnt – im Gegensatz zu Kokosöl hat es aber einen sehr eigenwilligen Geschmack und ist daher nicht bedenkenlos zu empfehlen.

Zudem können im Handel auch spezielle Mundziehöle erworben werden. Hierbei handelt es sich in der Regel um eine Ölmischung aus kaltgepresstem Pflanzenöl und ätherischem Öl.

Wo hat das Ölziehen seinen Ursprung?

Die ayurvedische Lehre wendet das Ölziehen bereits seit mehreren Jahrtausenden für unterschiedlichste Zwecke an. Das Ölziehen wurde zum ersten Mal in der sogenannten Charaka Samhita erwähnt, einem sehr alten ayurvedischen Schriftstück. In diesem sind mehr als dreißig verschiedene Krankheiten aufgeführt, die sich mit der Gandusha-Methode, also dem Ölziehen, heilen lassen sollen. Hier werden unter anderem Kopfschmerzen, Migräne, Diabetes, Hormonstörungen, diverse Zahnprobleme oder Asthma aufgeführt.

Das Ölziehen hat seinen geschichtlichen Hintergrund in der Antike. Denn auch in dieser Zeit wurde sie für die Behandlung verschiedener Krankheiten eingesetzt. In der Ukraine, in Weißrussland und auch in Russland hat sich das Ölziehen in der Allgemeinmedizin im Laufe der Jahre etabliert. Während in der Ayurvedischen Lehre Sesamöl einen hohen Stellenwert besitzt, gilt gleiches im russisch-sprachigen Raum für Sonnenblumenöl.

Aber auch hier in Deutschland kommt das Ölziehen immer häufiger zum Einsatz, um diverse gesundheitliche Beschwerden zu lindern.

Wirkung auf den Körper

Das Ölziehen ist in den letzten Jahren sehr populär geworden, weil es die Zähne aufhellen soll. In den letzten Jahren hat sich Ölziehen quasi als Geheimtipp für weiße Zähne und als Abhilfe gegen Mundgeruch entwickelt.

Doch der ursprüngliche Zweck ist natürlich ein anderer: Durch die Nutzung des Öls werden die Bakterien, die ein ganz natürlicher Teil des Mundraums sind, aus der Mundhöhle und dem Zahnfleisch gezogen und im Öl gebunden. Dadurch soll das Ölziehen eine positive Wirkung auf den Körper haben.

Nebenwirkungen beim Ölziehen sind nicht bekannt. Wichtig ist jedoch, dass das Öl nach dem Ölziehen nicht heruntergeschluckt wird.

Erfahrungen mit Ölziehen

Im Internet findet man eine Vielzahl von zugeschriebenen Wirkungen, doch wie so häufig bei Alternativmedizin – es fehlen die Belege. Zwar gibt es einige Studien, die unter anderem die Wirkung von Ölziehen bei Zahnfleischentzündungen untersuchen, doch diese sind die Ausnahme. Zudem sind die Rückschlüsse nicht immer eindeutig, da die Vergleichsgruppen zu klein waren oder die Zeiträume für eindeutige Aussagen zu kurz.

Naheliegend ist die direkte Verbesserung im Bereich der Zähne und Zahnfleisch, da das Ölgemischen hier im direkten Kontakt ist. Verschiede Nutzer berichten von Abhilfe bei Zahnfleischbluten, Mundgeruch und Karies.

Ergänzend zum Ölziehen kann auch die Zunge vor der Ölbehandlung mithilfe eines Zungenschabers gereinigt werden. Hierbei handelt es sich um einen kleinen Helfer mit dem Druck auf die Zunge ausgeübt wird, wodurch sich die auf der Zunge befindliche Bakterien und Giftstoffe lösen.

Diese Vorbehandlung wird häufig von „ayurvedisch geprägten“ Personen empfohlen, geht es primär um hellere Zähne findet man den Hinweis auf eine Zungenreinigung eher selten.

So funktioniert eine Ölkur

Idealerweise wird das Ölziehen am Morgen durchgeführt – darin sind sich alle Autoren diverser Anleitungen einig. Unterschiede gibt es aber bei der Ölsorte, der Länge der Anwendung und wie man anschließend mit dem Ölgemisch verfahren sollte.

Gemäß der ayurvedischen Lehre soll auf circa 110 Grad Celsius erhitztes und anschließend abgekühltes Sesamöl zum Einsatz kommen. Doch bevor es angewendet werden kann, muss der Anwender seinen Mund einige Minuten mit lauwarmem Wasser ausspülen. Anschließend wird das Öl auf einen Esslöffel gegeben und dann im Mundbereich verteilt. Nach einigen Minuten wird das Öl wieder ausgespuckt und durch neues Öl ersetzt.

Im Alltag ist das aber ein wenig umständlich und insbesondere in Europa hat sich daher die Verwendung von anderen kaltgepressten Ölen etabliert, die besser schmecken (Kokosöl) oder ohnehin im Haushalt vorhanden sind (Sonnenblumenöl und Olivenöl).

Auch bei der Menge und Dauer der Anwendung kommt es zu Abweichungen. Während einige Nutzer problemlos 20 Minuten mit dem Öl im Mund zubringen, begnügen sich andere Anwender mit fünf bis zehn Minuten. Ein kompletter Teelöffel Öl hingegen ist für viele Nutzer zu viel. Kokosöl lässt sich besser in kleinen Mengen portionieren, zum Beispiel ein etwa haselnussgroßes Stück festes Kokosöl.

Wie geht Ölziehen richtig
  1. Vorbereitung: Reinige vor dem Ölziehen die Zunge mit einem Zungenschaber.
  2. Nimm circa 1 Esslöffel Öl in den Mund.
  3. Zieh das Öl für einige Minuten von vorn nach hinten durch die Zahnzwischenräume. (Nicht gurgeln!)
  4. Spucke das Öl in ein Tuch und schmeiße das Tuch in den Hausmüll. (Nicht ins Waschbecken spucken und nicht runterschlucken!)
  5. Anschließend solltest du den Mund ausspülen und die Zähne putzen.

1. Zungenreinigung

Vor dem Ölziehen sollte die Zunge gründlich gereinigt werden. Denn auch hier sammeln sich über Nacht sehr viele Bakterien an, die entfernt werden sollten. Hierfür eignet sich eine sogenannter ayurvedischer Zungenschaber sehr gut. Mit diesem lassen sich die meisten Rückstände entfernen, sodass anschließend sofort mit dem Ölziehen begonnen werden kann.

Nach der Anwendung mit dem ayurvedischen Zungenschaber sollte die Zunge sauber und rosafarben sein.

2. Das Öl richtig ziehen

Wer Prothesen trägt, sollte diese vor der Anwendung herausnehmen. Nun wird das zuvor erhitzte und wieder abgekühlte Öl in den Mund gegeben. Wie bereits erwähnt, sollte das alles „auf nüchternen Magen“ stattfinden. Daher ist der Morgen der ideale Zeitpunkt für das Ölziehen. Am besten wird nach dem Aufstehen noch nicht einmal ein Glas Wasser getrunken.

Sobald das Öl im Mund ist, sollte es für 15 bis 20 Minuten dort verbleiben. Idealerweise wird es immer in Bewegung gehalten. Am besten schlürft, saugt und zieht der Anwender das Öl durch seine Zähne. Zudem kann er immer Mal wieder eine kurze Pause einlegen, um es ideal in seinem Mund zu verteilen. Dadurch kann es überall ideal einwirken.

Eventuell kann es auch Sinn machen, die Flüssigkeit ein bis zwei Mal in den 20 Minuten auszuspucken und neues Öl aufzunehmen. Dadurch wird gewährleistet, dass sich die Bakterien nicht noch weiter verteilen.

Wer beim Ölziehen einen Muskelkrampf im Bereich der Wangen- und Kiefermuskulatur verspürt, sollte eine Pause eingelegen. Das ist ein Zeichen dafür, dass man etwas zu ehrgeizig an die Sache herangegangen ist. Ölziehen sollte immer entspannt ablaufen und ein positiver Teil der Morgenroutine sein.

3. Öl ausspucken

Gegen Ende des Ölziehens wird die Mischung aus Öl und Speichel im Mund des Anwenders immer dünnflüssiger und verfärbt sich in der Regel auch leicht weißlich. Das ist der ideale Zeitpunkt, um Ölmischung auszuspucken.

Wichtig ist, dass die Flüssigkeit auf keinen Fall geschluckt wird. Denn in dieser befinden sich schließlich die Stoffe, die aus dem Körper entfernt werden sollen. Wer sich beim Ölziehen versehentlich verschluckt, spuckt die restliche Mischung aus und nimmt dann erneut einen Löffel des Öls auf.

Für das Ausspucken sollte ein Papiertaschentuch und nicht das Waschbecken verwendet werden. Dadurch lässt sich verhindern, dass die Bakterien, Toxine und Co. in den Wasserkreislauf gelangen.

4. Mund ausspülen

Nach der Anwendung mit dem Öl wird der Mund noch einige Male mit lauwarmem Wasser ausgespült, um auch wirklich alle Rückstände zu beseitigen.

5. Zähneputzen

Nach dem Ölziehen werden die Zähne noch gründlich mit einer Zahnbürste gereinigt. Hierfür eignen sich eine sanfte ayurvedische Zahncreme oder eine basische Zahnpasta sehr gut.

Ganz wichtig: Ölziehen ist kein Ersatz für das Zähneputzen.

Häufige Fragen zur Ölziehkur

Etwas Öl in den Mund, ein paar Mal ziehen und fertig. Ganz so einfach ist es dann doch nicht. Daher tauchen immer wieder dieselben Fragen auf. Herbei geht es in der Regel darum, welches Öl sollte wann genutzt werden und wie lange sollte die Anwendung dauern?

Wann sollte man Ölziehen?

Das Ölziehen sollte gleich nach dem Aufstehen durchgeführt werden. Noch bevor etwas getrunken oder gegessen wurde, denn unmittelbar nach dem Aufstehen befinden sich um Mundraum, also auf der Zunge und den Schleimhäuten, sogenannte Toxine und diverse Krankheitskeime. Und diese sollen durch das Oil Pulling entfernt werden – daher ist trinken und essen vorher tabu.

Welches Öl kann man nutzen?

Kokosöl zum Ölziehen
Guter Geschmack: Ölziehen mit Kokosöl

Dem einen ist der Geschmack egal, der andere ekelt sich vor einer größeren Menge Öl im Mund. So unterschiedlich die Geschmäcker sind, so verschieden fällt die Antwort auf die Frage nach dem richtigen Öl für eine Ölziehkur aus.

Grundsätzlich sollte für das Ölziehen kaltgepresstes Pflanzenöl verwendet werden.

Sehr beliebt ist Kokosöl, da es einen gutes Geschmack hat. Andere Öle hingegen bringen von Natur aus bessere Eigenschaften mit, so zum Beispiel das sehr geschätzte Sesamöl.

Durch die Kombination von Pflanzenölen und ätherischen Ölen kann die Wirkung noch verbessert werden. Ein absolutes No-Go ist allerdings die pure Anwendung von ätherischen Ölen.

Ein gutes Team sind Kokosöl und Nelkenöl. Nelkenöl ist für seine positive Wirkung auf Zähne und Zahnfleisch bekannt. Aber auch Thymianöl oder Teebaumöl sind eine gute Wahl, wenngleich das Kokosöl den herben Geschmack nicht gänzlich abschwächen kann.

Grundsätzlich sollte man eine Ölkur mit verschiedenen Ölen probieren und sich nicht vom ersten Eindruck abschrecken lassen, denn das Ölziehen ist zunächst ungewohnt und bedarf etwas Gewöhnung.

Kaltgepresste Pflanzenöle in Bio-Qualität sind deutlich günstiger als fertige Ölziehkuren.

Unsere Empfehlung: Ölziehen mit Kokosöl

Zu den beliebtesten Ölen zum Ölziehen gehört Kokosöl. Das Öl ist in Deutschland sehr einfach und in guter Qualität erhältlich. Es hat antibakterielle Eigenschaften und einen angenehmen Geschmack, der auch nach dem Zähneputzen noch wahrnehmbar ist.

Im Vergleich zu anderen Ölen lässt sich Kokosöl einfach und problemlos dosieren, da es etwas fester ist. Wichtig ist, dass das Öl stets mit einem sauberen Esslöffeln aus dem Glas entnommen wird. So bleibt das Öl frei von Verunreinigungen und hält länger.

Wie lange soll das Öl im Mund bleiben?

Die tägliche Anwendungsdauer sollte einige Minuten betragen. Je länger, desto besser. Einige Anwender schaffen es circa eien Viertelstunde mit dem Öl im Nund zu arbeiten. Anderen genügen schon fünf Minuten. Das ist natürlich abhängig von der persönlichen Präferenz und wie gut man mit dem Ölm im Mund zurecht kommt.

Wem die tägliche Anwendung zu intensiv is, der kann auch das Ölziehen auch kurmässig anwenden. In diesem Fall wird circa einmal im Quartal für zwei Wochen eine Ölkur durchgeführt. Die einzelnen Schritte hierbei sind jedoch identisch mit dem täglichen Ölziehen.

Geht das auch bei einer Erkältung?

Auch bei einer Erkältung muss auf das morgendliche Ölziehen nicht verzichtet werden, sofern die Nase frei ist und man problemlos ein- und ausatmen kann. Es kommt auf das persönliche Befinden an: Wenn man sich nicht wohlfühlt, kann man die Ölkur auch ohne Probleme pausieren.

Während in einzelnen Erfahrungsschilderungen von einer Linderung der Erkältungssymptome berichtet wird, wird dem Ölziehen mehrheitlich eine vorbeugende Wirkung zugeschrieben.