Öl als SonnenschutzIn verschiedenen Blogs und Foren werden kaltgepresste Öle als Alternative zu herkömmlichen Sonnenschutz-Produkten empfohlen. Häufig geht es hierbei um die chemischen Zusätze, die in sogenannten Sunblockern enthalten sind – wohingegen kaltgepresste Öle eine Kontrolle über die Inhaltsstoffe versprechen.

Grundsätzlich kann man diverse Öle vor dem Sonnenbad auftragen. Allerdings sollte man sich nicht der Illusion hingeben, dass eine selbstgemachte Ölmischung denselben Sonnenschutz wie ein professionelles Produkt gewährleisten kann.

Konventionelle Produkte haben einen sehr hohen Lichtschutzfaktor (LSF). Insbesondere bei Sonnencreme für Kinder sind die Werte sehr hoch (LSF 30 aufwärts). Kaltgepresste Öle rangieren im niedrigen einstelligen Bereich – je nach Sorte. Rechnet man den Lichtschutzfaktor 30 um, dann blockt ein Produkt mit diesem Wert 97 Prozent der schädlichen Strahlung. Hierbei handelt es sich um die sogenannten UV-A- und UV-B-Strahlen. Kaltgepresste Öle können nur UV-B blocken – und das auf einem wesentlich niedrigeren Niveau. Die tiefgehende UV-A-Strahlung wird von keinem kaltgepressten Öl geblockt.

Studien zur Wirksamkeit von Pflanzenölen
2004 wurde die Durchlässigkeit für Sonnenstrahlen unter anderem von Kokosöl, Erdnussöl, Riziniusöl, Olivenöl, Neemöl, Sonnenblumenöl und Sesamöl mithilfe eines Spek­trometers von indischen Forschern getestet. Das Ergebnis fiel ernüchternd aus: Die Durchlässigkeit von UV-B-Strahlung liegt zwischen 60 und 70 Prozent und man könne daher nicht von einem Sonnenschutzmittel sprechen.
Pflanzenölermittelter LSF (gerundet)
Olivenöl7,5
Kokosnussöl7,1
Rizinusöl5,7
Mandelöl4,6
Senföl2,1
Sesamöl1,8

Im Rahmen der in-vitro-Studie wurden auch ätherische Öle (zum Beispiel Lavendelöl und Teebaumöl) getestet. Diese Öle führen wir hier nicht auf, da ätherische Öle nicht pur auf die Haut aufgetragen werden sollten.

Pflege statt Sonnenschutz

Man sollte das Auftragen eines kaltgepressten Öls eher als Hautpflege betrachten, die einen geringen LSF mitbringt und nicht als Alternative zu einer professionell hergestellten Sonnencreme, die sowohl UV-A- als auch UV-B-Strahlen blocken kann.

Wenn man jedoch schon vorgebräunt ist und sich nicht der prallen Sonne aussetzt, ist das Auftragen von Öl bei einem Erwachsenen durchaus eine Option – sofern man nicht auf chemische hergestellte Produkte zurückgreifen möchte. Es gibt Öle, die sehr schnell einziehen und sich gut auftragen lassen und für alle Hauttypen geeignet sind. Auf die Beimischung von ätherischen Ölen sollte man aber unbedingt verzichten, da es hier zu phototoxischen Reaktionen kommen kann.

Welche Öle kann man nutzen?

Zur Hautpflege mit einem geringen natürlichen Lichtschutzfaktor sind unter anderem Kokosöl, Jojobaöl und Sanddornöl geeignet. Auch Neemöl und Rizinusöl sind denkbar. Allerdings ist Rizinusöl vergleichsweise zäh und wirkt abführend – daher sollte es vorsichtig genutzt werden und außerhalb der Reichweite von Kindern gelagert werden. Neemöl hat einen sehr strengen Eigengeruch – dafür liegt die UV-B-Durchlässigkeit bei 65 Prozent und ist damit von allen getesteten Pflanzenölen am niedrigsten.

Sanddornöl als Massageöl
Jojoba- und Sanddornöl zur Hautpflege

Kokosöl ist ja mittlerweile der Allrounder und wird für so ziemlich Alles genutzt. Tatsächlich schwören viele Auswanderer auf dieses Öl. Egal ob zur Hautpflege oder als Basis für einen DIY-Mückenschutz. Kokosöl hat einen Lichtschutzfaktor zwischen 6 – 8, gemäß der oben genannten Studie liegt die Durchlässigkeit der UV-Strahlen jedoch bei fast 100 Prozent. Allerdings ist das Öl reich an Vitaminen und enthält unter anderem das für die Haut wichtige Vitamin E.

Jojobaöl ist eines der beliebtesten Öle zur Hautpflege. Streng genommen ist es ein Wachs – aber analog zu Kokosöl ist es bei Zimertemperatur flüssig. Es hat einen LSF zwischen 4 und 5.

Beim Sanddornöl muss man zwischen dem Kernöl und dem Fruchtfleischöl unterscheiden. Das leuchtend rote Fruchtfleischöl hat den Lichtschutzfaktor 4 und ist ein beliebtes Hautpflegeöl, das sich auch sehr gut mit Jojobaöl mischen lässt.