Öl als SonnenschutzIn verschiedenen Blogs und Foren werden kaltgepresste Öle als Alternative zu herkömmlichen Sonnenschutz-Produkten empfohlen.

Häufig geht es hierbei um Vermeidung von chemischen Zusätzen, die in sogenannten Sunblockern enthalten sind.

Die Nutzung von kaltgepressten Ölen verspricht eine Kontrolle über die Inhaltsstoffe.

Doch kann man pflanzliche Öle tatsächlich als Sonnenschutz verwenden?

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Lichtschutzfaktor von Öl

Grundsätzlich kannst Du diverse Öle vor dem Sonnenbad auftragen. Allerdings solltest du dich nicht der Illusion hingeben, dass eine selbstgemachte Ölmischung denselben Sonnenschutz wie ein professionelles Produkt gewährleisten kann.

Konventionelle Produkte haben einen sehr hohen Lichtschutzfaktor (LSF). Insbesondere bei Sonnencreme für Kinder sind die Werte sehr hoch (LSF 30 aufwärts). Kaltgepresste Öle rangieren im niedrigen einstelligen Bereich – je nach Sorte.

Rechnet man zum Beispiel den Lichtschutzfaktor 30 um, dann blockt ein Produkt mit diesem Wert 97 Prozent der schädlichen Strahlung. Hierbei handelt es sich um die sogenannten UV-A- und UV-B-Strahlen. Kaltgepresste Öle können nur UV-B blocken – und das auf einem wesentlich niedrigeren Niveau. Die tiefgehende UV-A-Strahlung wird von keinem kaltgepressten Öl geblockt.

Studien zur Wirksamkeit von Pflanzenölen
Vor einigen Jahren wurde die Durchlässigkeit für Sonnenstrahlen unter anderem von Kokosöl, Erdnussöl, Riziniusöl, Olivenöl, Neemöl, Sonnenblumenöl und Sesamöl mithilfe eines Spek­trometers von indischen Forschern getestet. (Unter anderem: Study of UV Transmission through a Few Edible Oils and Chicken Oil, In vitro sun protection factor determination of herbal oils used in cosmetics)

Das Ergebnis fiel ernüchternd aus: Die Durchlässigkeit von UV-B-Strahlung liegt zwischen 60 und 70 Prozent und man könne daher nicht von einem Sonnenschutzmittel sprechen.

Pflanzenölermittelter LSF (gerundet)
Olivenöl7,5
Kokosnussöl7,1
Rizinusöl5,7
Mandelöl4,6
Senföl2,1
Sesamöl1,8

Im Rahmen der Studien wurden auch ätherische Öle (zum Beispiel Lavendelöl und Teebaumöl) getestet. Diese Öle führen wir hier nicht auf, da ätherische Öle nicht pur auf die Haut aufgetragen werden sollten.

Sonnenschutz oder doch nur Hautpflege?

Sanddornöl als Massageöl
Jojoba- und Sanddornöl zur Hautpflege

Du solltest das Auftragen eines kaltgepressten Öls eher als Hautpflege betrachten, die einen geringen LSF mitbringt.

Pflanzliche Öle sind keine 100-prozentige Alternative zu einer professionell hergestellten Sonnencreme, die sowohl UV-A- als auch UV-B-Strahlen blocken kann.

Wenn Du nicht auf industriell hergestellte Produkte zurückgreifen möchtest und erwachsen bist, ist das Auftragen von Öl durchaus eine Option. Es ist in diesem Zusammenhang natürlich hilfreich, wenn Du bereits vorgebräunt bist und dich nicht der prallen Sonne aussetzt.

Es gibt Öle, die sehr schnell einziehen und sich gut auftragen lassen und für alle Hauttypen geeignet sind. Auf die Beimischung von ätherischen Ölen sollte man aber unbedingt verzichten, da es hier zu phototoxischen Reaktionen kommen kann.

Welche Öle kann man nutzen?

Zur Hautpflege mit einem geringen natürlichen Lichtschutzfaktor sind unter anderem Kokosöl, Jojobaöl und Sanddornöl geeignet. Auch Neemöl und Rizinusöl sind denkbare Kandidaten – allerdings mit Einschränkungen.

Kokosöl

Kokosöl kaltgepresstKokosöl ist ja mittlerweile der Allrounder und wird für so ziemlich Alles genutzt. Tatsächlich schwören viele Auswanderer auf dieses Öl. Egal ob zur Hautpflege oder als Basis für einen DIY-Mückenschutz. Kokosöl hat einen Lichtschutzfaktor zwischen 6 – 8.

Gemäß der oben genannten Studie liegt die Durchlässigkeit der UV-Strahlen jedoch bei fast 100 Prozent. Allerdings ist das Öl reich an Vitaminen und enthält unter anderem das für die Haut wichtige Vitamin E. Ob Kokosöl als Sonnenschutz wirklich sinnvoll ist, haben wir in einem ausführlichen Artikel geklärt.

Jojobaöl

JojobaölJojobaöl im Detail ist eines der beliebtesten Öle zur Hautpflege. Streng genommen ist es ein Wachs. Aber analog zu Kokosöl ist es bei Zimertemperatur flüssig.

Jojobaöl hat einen LSF zwischen 4 und 5. Es ist nicht komedogen und für jeden Hauttyp nutzbar. Während Kokosöl die Bildung von Mitessern begünstigen kann, ist das bei Jojobaöl nicht der Fall. (Das betrifft insbesondere den Rücken und das Gesicht.)

Das leichte Öl zieht schnell ein und ist auch als Trägeröl eine gute Wahl.

Sanddornöl

leuchtend rotes SanddornölBeim Sanddornöl muss man zwischen dem Kernöl und dem Fruchtfleischöl unterscheiden. Das leuchtend rote Fruchtfleischöl hat den Lichtschutzfaktor 4 und ist ein beliebtes Hautpflegeöl, das sich auch sehr gut mit Jojobaöl mischen lässt.

Achtung: Wenn das Öl auf die Haut aufgetragen wurde, kann es noch lange abfärben.

Für die Anwendung als Hautöl gibt es fertige Mischungen aus Sanddornölund Sesamöl, zum Beispiel von Weleda.

Rizinusöl

Rizinusöl ist vergleichsweise zäh, kann die Haut austrocknen und wirkt abführend. Daher sollte es vorsichtig genutzt werden und außerhalb der Reichweite von Kindern gelagert werden.

Um von den pflegenden Eigenschaften zu profitieren, solltest Du in jedem Fall ein kaltgepresstes Rizinusöl verwenden. (Das in Apotheken erhältliche Kastoröl ist in der Regel raffiniert worden und eignet sich daher nur als Abführmittel.)

Für die Anwendung auf der Haut solltest Du Rizinusöl mit einem anderen Trägeröl mischen.

Neemöl

Neemöl als SonnenschutzNeemöl hat einen sehr strengen Eigengeruch, wodurch es als Beautyprodukt keine große Nachfrage erfährt. Zudem ist das Öl bei Zimmertemperatur sehr zäh und die Konsistenz erinnert an Wachs.

Dafür liegt die UV-B-Durchlässigkeit bei 65 Prozent und ist damit von allen getesteten Pflanzenölen am niedrigsten.

Wenn Du das Öl als Sonnenschutz verwenden möchtest, solltest Du es ebenfalls mit einem anderen Öl mischen.